Wissenswertes - 05. Geschichte

Handball ist eine Sportart, bei der zwei Mannschaften mit je sieben Spielern (sechs Feldspieler und ein Torwart) gegeneinander spielen. Das Ziel des Spiels besteht darin, den Handball in das gegnerische Tor zu werfen und damit ein Tor zu erzielen. Es gewinnt die Mannschaft, die nach Ablauf der Spielzeit (zweimal 30 Minuten; bei Jugendmannschaften kürzere Spielzeiten) die meisten Tore erzielt hat.

Neben dem Hallenhandball (meist abgekürzt Handball genannt) gibt es noch zwei weitere Varianten: den früher wesentlich häufiger gespielten Feldhandball und den Beachhandball, der sich wachsender Beliebtheit erfreut.

Geschichte

Bereits in der Antike gab es handballähnliche Spiele wie Urania oder auch Harpaston in Griechenland und - in der latinisierten Namensform harpastum - bei den Römern. Auch im Mittelalter wurden verschiedene Fangspiele gespielt.

Das eigentliche Handballspiel entwickelte sich aber erst um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert aus verschiedenen Ballspielen, wie zum Beispiel Netz-, Korb-, Raff- oder Turmball. Daraus gingen dann erstmals Spiele hervor, bei denen auf Tore geworfen wurde. Das erste Regelwerk wurde 1898 vom dänischen Lehrer und Oberstleutnant Holger Louis Nielsen aus Ordrup bei Kopenhagen entworfen. Der Ball durfte nur drei Sekunden gehalten werden, und mit ihm durfte nicht gelaufen werden.

Als Geburtstag des Handballs gilt der 29. Oktober 1917, als der Berliner Oberturnwart Max Heiser (1879-1921) festlegte, dass das 1915 von ihm für Frauen entworfene Spiel Torball zukünftig Handball heißen solle, und er ebenfalls feste Regeln bestimmte. Mit dem Spiel wollte er für Mädchen eine Möglichkeit schaffen, sich auszutoben, da Jungenspiele, wie beispielsweise Fußball, ihm zu körperbetont erschienen. Dementsprechend war seinerzeit auch jede Art von Kampf verboten und das Spiel ohne Körperkontakt.

Zwei Jahre später entwickelte der Berliner Turnlehrer Carl Schelenz (1890-1956) Heisers Spiel weiter und machte es auch für Jungen und Männer attraktiv, indem er Zweikämpfe erlaubte und den Ball verkleinerte, womit er das Werfen in den Vordergrund stellte. Auch führte er das Prellen ein. Die restlichen Grundlagen wie Spielfeld, Mannschaftsgröße und Schiedsrichter übernahm Schelenz praktischerweise vom Fußball. Daraufhin wurde Handball immer beliebter, und schnell bildeten sich erste Mannschaften. Insbesondere in der Militär- und Polizeisportbewegung wurde das Spiel schnell populär, weshalb Militärsportvereine wie der PSV Berlin (9 Titel von 1922-1931) und der MSV Hindenburg Minden (1936) nicht zufällig Meistertitel feierten. Insbesondere im Dritten Reich propagierten die Funktionäre den Handball als ideale Vorbereitung auf den Krieg, indem sie etwa die Vorzüge des Trainings für das Handgranatenwerfen anpriesen.

Die Sportvereinigung Fichte richtete 1919 eine deutsche Meisterschaft der Arbeitersportvereine aus, dessen Verband dem Spiel aber zunächst skeptisch gegenüberstand. Popularisiert wurde das neue Spiel vielmehr von der Deutschen Turnerschaft und der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik (erst 1934 wurde mit dem Fachamt für Handball eine Handballverband gegründet). 1921 wurde schließlich die erste deutsche Meisterschaft ausgetragen, die der TSV 1860 Spandau gewann. Nach den Regeln von Schelenz wurde Handball bereits 1919 in Uruguay gespielt, wo es sich schnell zum Nationalsport entwickelte.

Das erste offizielle Handballländerspiel fand am 13. September 1925 in Halle an der Saale zwischen den Männermannschaften von Deutschland und Österreich statt. Die österreichische Auswahl besiegte dabei Deutschland mit 6:3. Davor gab es Länderspiele der Arbeitermannschaften im Juli 1925 an der Arbeiterolympiade. 1928 wurde dann im Rahmen der Olympischen Spiele in Amsterdam der erste internationale Handballverband IAHF von den elf Ländern USA, Kanada, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Österreich, Schweden, Tschechoslowakei und Deutschland gegründet. In dieser Zeit wurde das Regelwerk erstmals offiziell festgelegt und vereinheitlicht. In der Zeit von 1922 bis 1933 wurden die deutschen Handballmeisterschaften parallel von zwei verschiedenen Verbänden (Deutsche Sportbehörde und Deutsche Turnerschaft) ausgetragen, so dass es für jedes Jahr zwei deutsche Meister gab.

Als die eher deutschnational ausgerichtete Deutsche Turnerschaft am 1. September 1923 auf ihrem Reichstreffen die reinliche Scheidung von Turnern und Sportlern beschloss, weil die übrigen Sportverbände und hier vor allem die Ballsportverbände, sich nicht auch als politische, sondern lediglich als sportspezifische Verbände verstanden, gründeten viele Handballer eigene Vereine.

Olympisch war Feldhandball das erste und einzige Mal bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin, aber auch nur auf Bestreben Adolf Hitlers hin, da Deutschland den Feldhandball zu dieser Zeit klar dominierte. Die deutsche Auswahl gewann dann auch im Endspiel gegen Österreich vor 100.000 Zuschauern, was bis heute weltweit als Zuschauerrekord für Handballspiele (Feld und Halle) gilt. Die ersten Herren-Weltmeisterschaften sowohl im Feld- als auch im Hallenhandball wurden 1938 in Berlin ausgetragen. Auch hier setzte sich in beiden Turnieren die deutsche Mannschaft durch.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Organisation und Struktur des Handballs wieder aufgebaut werden, so wurde 1946 die International Handball Federation IHF gegründet. Die erste Feldhandball-Weltmeisterschaft nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1948 gewann Schweden. Infolge des Krieges durfte keine deutsche Mannschaft teilnehmen.

1949 wurde der Deutsche Handballbund DHB gegründet. Die ersten deutschen Nachkriegsmeisterschaften wurden bereits 1948 ausgetragen. Der Feldhandball entwickelte sich rasch weiter, was sicher auch mit der Vormachtstellung der deutschen Nationalmannschaft in Europa zusammenhing. So wurden 6 von 7 Weltmeisterschaften von deutschen Mannschaften gewonnen. Einer der besten und bekanntesten Spieler der damaligen Zeit war Bernhard Kempa, Erfinder des Kempa-Tricks. Deutsche Rekordnationalspieler sind Erwin Porzner (DHB) mit 33 Länderspielen für den DHB bzw. Rudi Hirsch (DHV) mit 49 Einsätzen für den DHV und die gesamtdeutsche Mannschaft. 1959 gewann die DDR-Auswahl einen innerdeutschen Vergleich gegen die Nationalmannschaft der Bundesrepublik und wurde danach zur DDR-Mannschaft des Jahres gewählt.

1949 wurden die ersten Weltmeisterschaften im Frauen-Handball ausgetragen. Bei den Feldhandball-WM, die 1949, 1956 und 1960 ausgespielt wurden, siegten Ungarn und zweimal Rumänien. Hallenhandball für Frauen erlebte 1957 mit der Einführung der Weltmeisterschaften (mit zunächst 9 Teams) und der Titelvergabe des Deutschen Meisters einen Aufschwung.

Parallel zum Feldhandball entwickelte sich aber auch der Hallenhandball immer weiter. Treibende Kraft beim Gang in die Hallen waren vor allem die skandinavischen Länder, die aufgrund der klimatischen Bedingungen nach Möglichkeiten suchten, Taktik und Tempospiel voranzutreiben, ohne auf Wind, Wetter und Jahreszeiten Rücksicht nehmen zu müssen. Die Herren-Nationalmannschaften aus Dänemark und Schweden bestritten auch am 8. März 1935 in Kopenhagen das erste Länderspiel in der Halle. Das Spiel wurde, nachdem die Regeln der neuen Umgebung angepasst wurden, sicherer, schneller und somit auch attraktiver. Insbesondere die Schweden entwickelten das Spiel taktisch weiter, indem sie etwa die Position des Kreisläufers einführten. Trotz der anfänglich gleichen Behandlung von Hallen- und Feldhandball setzte sich der Hallenhandball immer mehr durch. Der Hallenhandball der Männer wurde 1972 in München olympische Disziplin, was endgültig dazu führte, dass Feldhandball in Zukunft keine Rolle mehr spielen würde. So fanden dann auch 1975 die letzten Meisterschaften im Feldhandball statt, seither wurde Handball praktisch mit Hallenhandball gleichgesetzt. Hallenhandball für Frauen wurde dann 1976 in Montreal ebenfalls olympisch.

Im Hallenhandball werden regelmäßig Welt- und Europameisterschaften ausgetragen.

Die europaweit erfolgreichsten Handballvereine bei den Herren sind der FC Barcelona mit zwölf Titeln in europäischen Wettbewerben und der VfL Gummersbach mit neun Titeln. Den ersten deutschen Europapokalsieg der Landesmeister errang Frisch Auf Göppingen im Jahr 1960. Die meisten Deutschen Meisterschaften im Hallenhandball gewann der THW Kiel (21 Titel), gefolgt vom VfL Gummersbach (12) und Frisch Auf Göppingen (9).

Am 6. September 2014 wurde in der Commerzbank-Arena im Rahmen des Tags des Handballs beim Bundesligaspiel zwischen den Rhein-Neckar Löwen und dem HSV Hamburg ein neuer Zuschauerweltrekord für Hallenhandball aufgestellt. 44.189 Zuschauer sahen das Spiel, welches die Rhein-Neckar-Löwen mit zwei Toren Vorsprung gewinnen konnten. Seit der Europameisterschaft 2024 in Deutschland hält das Eröffnungsspiel der Deutschen Nationalmannschaft diesen Rekord. Bei der Partie gegen die Schweiz sahen 53.586 Zuschauer das Spiel in der Düsseldorfer Merkur-Spiel-Arena. Das eigentliche Fußballstadion wurde mit Zusatztribünen erweitert, um diese Kapazität zu fassen.

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